Herzstück81 gewinnt Inklusionspreis 2025
Beispielgebendes Modell holt den renommierten Preis in die Oststeiermark
ILZ/FÜRSTENFELD, 3. Dezember 2025 | Große Auszeichnung für ein visionäres Projekt aus der Oststeiermark: Das „Herzstück81“ der Lebenshilfe Fürstenfeld in Ilz wurde gestern Abend in Wien mit dem renommierten Österreichischen Inklusionspreis 2025 in der Kategorie „Sonderpreis Lebenshilfe“ ausgezeichnet. Diese Anerkennung würdigt ein beispielgebendes Modell, dass den Begriff der „Behindertenwerkstätte“ neu definiert und Menschen mit Behinderungen als aktive und kreative Gestalter sichtbar macht. Die Preisverleihung fällt mit dem heutigen Internationalen Tag der Menschen mit Behinderungen zusammen und unterstreicht die zentrale Forderung der Lebenshilfe Steiermark nach mehr Sichtbarkeit und echter Teilhabe.
Dass das Herzstück81 in Ilz weit mehr als eine traditionelle Werkstätte für Menschen mit Behinderungen ist, lässt sich bereits an einer weit offenstehenden Eingangstür erahnen. Hier, wo früher Mode verkauft wurde, entsteht heute unter einem trendigen Kreativlabel hochwertige, siebbedruckte Kleidung (Slow-Fashion) und Kunsthandwerk. Ein 15-köpfiges Team, davon neun Menschen mit Behinderungen, arbeitet dabei Hand in Hand. Was das Herzstück81 so besonders macht, ist seine bewusste Offenheit und die enge Verankerung im Sozialraum. Die Einrichtung versteht sich als Begegnungsort, an dem Barrieren abgebaut und Talente sichtbar gemacht werden.
Von der Mitleidskultur zur gefragten Marke: Sichtbarkeit als Erfolgsfaktor
Gerald Peyerl, Klaus Maier und Tanja Nowak sind nur drei der zahlreichen Teammitglieder, die im Herzstück81 täglich ihre Kreativität und ihr handwerkliches Geschick unter Beweis stellen und vom Label als aktive Gestalter ins Rampenlicht gerückt werden. Neben den richtigen Menschen am richtigen Ort, ist es die enge Zusammenarbeit mit lokalen Akteuren, die Lage der Einrichtung an einem zentralen Standort, sowie das Gespür für Trends und soziale Strömungen, was dieses Projekt als Marke so erfolgreich macht.
„Unser größtes Anliegen ist stets, Inklusion mutig und ganz anders zu denken: weg von typischen Werkstätten-Strukturen, hin zu echter Teilhabe. Wir wollen die Menschen, die wir begleiten, mit all ihren Talenten und Stärken in der Gesellschaft sichtbar machen.“
beschreibt Jeannine Lorenz, Leiterin von „Herzstück81“, die Intention ihres Teams.
Doch das „Herzstück81“ ist weit mehr als seine Produkte: Wöchentliche Kreativworkshops laden zum gemeinsamen Tun ein, Dienstleistungen für die Marktgemeinde Ilz werden erbracht und vielfältige Kooperationen mit Schulen, Kindergärten und Vereinen zeigen, wie Inklusion im Alltag gelebt wird. Ihre Designs entstehen zudem in Kooperationen mit lokalen Partnern wie der Marketing-Agentur M Effekt, dem Kreativstudio „wekreat“ und Schulen sowie Kindergärten der Region. Dieser Ansatz, Menschen mit Behinderungen mit all ihren Talenten und Stärken sichtbar zu machen, zahlt sich aus: Die Nachfrage nach den Produkten ist groß, und die Anfragen für Kooperationen häufen sich. Ein inklusiv betriebener Online-Shop, der Ende 2024 startete, trägt die Produkte und ihre Botschaft weit über die Region hinaus.
„Es ist immer eine Freude, wenn das gesamte Team von Herzstück81 bei uns ist – inzwischen kennt hier schon jeder jeden. Die Bilanz der Zusammenarbeit ist für uns durchwegs positiv, denn wir erhalten dabei weit mehr zurück, als wir investieren.“
zeigt sich Michaela Eibel, Inhaberin der Marketingagentur „Der M-Effekt“ und Vorstandsmitglied der Lebenshilfe Fürstenfeld, vom Potential inklusiver Arbeitssettings überzeugt.
Warum Sichtbarkeit entscheidend ist – die Forderung der Lebenshilfe Steiermark
Am Tag der Menschen mit Behinderungen am heutigen 3. Dezember fordert die Lebenshilfe Steiermark erneut, Menschen mit Behinderung in all ihrer Vielfalt sichtbar zu machen. „Ohne Daten keine Taten. Und ohne Sichtbarkeit keine Inklusion“, so die klare Botschaft. Das „Herzstück81“ beweist eindrucksvoll, dass Inklusion gelingt, wenn man mutig neue Wege geht und Menschen mit Behinderungen die Möglichkeit gibt, ihre Fähigkeiten in einem wertschätzenden Umfeld einzubringen. Es ist ein Modell, dass von einer separierenden Mitleidskultur abrückt und Inklusion als gefragte Marke mit einem klaren gesellschaftlichen Statement etabliert.
Über die Lebenshilfe Fürstenfeld & Herzstück81
Die Lebenshilfe Fürstenfeld bietet seit 1980 soziale Dienstleistungen für Menschen mit Behinderungen im Raum Fürstenfeld an. Im Jahr 2020 wurde vom Verein eine gemeinnützige GmbH gegründet, und im Jahr 2023 ein zweiter Standort in Ilz eröffnet.
Die Lebenshilfe Fürstenfeld gemeinnützige GmbH wird von ihrem Geschäftsführer Armin Lorenz vertreten und ist der operative Arm der Gesamtorganisation. Die gemeinnützige GmbH ist als Trägerorganisation der steirischen Behindertenhilfe Vertragspartner des Land Steiermark und verantwortlich für die Umsetzung von stationären, teilstationären und mobilen Dienstleistungen für Menschen mit Behinderungen.
Die unter dem Namen „Herzstück81“ bekannte Tagesstätte in der Marktgemeinde Ilz (8262 Ilz 81) wurde am 1. Februar 2023 in Betrieb genommen. Neben zwei großzügigen Arbeitsräumen stehen den hier begleiteten Kund:innen auf rund 250 Quadratmetern auch ein Ruheraum sowie barrierefreie Sanitärräume zur Verfügung. Das Konzept des teilstationären Leistungsangebots (Tagesbegleitung & Förderung, B&F BHG) zielt auf sozialraumorientiertes Arbeiten ab, die zentrale Lage gegenüber dem Marktgemeindeamt Ilz, bietet dafür die ideale Voraussetzung.
Weitere Fotos & Informationen:
- https://lebenshilfe.at/aktuelles/pressefotos/inklusionspreis-2025/
- https://lebenshilfe.at/inklusionspreis/ausgezeichnete-projekte/herzstueck81/
Fotos: Österreichische Lotterien, Lebenshilfe Fürstenfeld